Kirchengemeinde Ittersbach: Predigt über Johannes 4,5-14


3. Sonntag nach Epiphanias

Lesung: Mt 8,5-13

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Amen

 Sehnsucht!?!? – Wo können wir mit unserer Sehnsucht hin? – Kennen Sie das auch? – Kennt Ihr das auch? – Diese Sehnsucht?!?! – Oder sind es gar viele? – Viele Sehnsüchte? - Die Sehnsucht geliebt zu sein. Die Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit. Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Sehnsucht nach Ruhe nach so vielem Umtrieb, Stress und Anspannung. Die Sehnsucht nach Frieden in meinem Herzen und mit der ganzen Welt. Manchmal reduziert sich dann die Sehnsucht. Weil die großen Wünsche nicht befriedigt werden können, kommen die kleinen und kleinsten Sehnsüchte. Einmal nur ein gutes Wort vom Vater. Einmal nur ein Tor schießen. Einmal nur in Ruhe gelassen zu werden. Einmal nur ohne den inneren Schmerz aufzuwachen. Manche haben keine Sehnsucht mehr. Manche warten nur noch auf die Flasche Bier oder die nächste Spritze oder die nächste Spritze oder nur noch auf den Tod. Wohin mit unserer Sehnsucht?

Das Evangelium erzählt die Geschichte von einer Frau. Sie hat die große Sehnsucht schon lange aufgegeben. Sie will in Ruhe gelassen werden. Und dann kommt einer und deckt die große Sehnsucht nach einem wirklichen Leben wieder auf. Ich lese aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums:

 

Da kam er (Jesus) in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobs Brunnen.

Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder, es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen um Essen zu kaufen. Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen!

 

Joh 4,5-14

  

Herr, unser guter Gott, wir bitten dich: Stärke uns den Glauben! AMEN

  

Liebe Gäste und Freunde! Liebe Konfirmanden! Liebe Gemeinde!

 

Viele Sehnsüchte bestimmen unser Leben. Welche Sehnsucht treibt diese Frau um? – Wohin geht die Sehnsucht dieser Frau? – Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Gehen wir noch einmal ein paar Schritte weg von diesem Brunnen Jakobs.

In der ersten Klasse behandeln wir gerade die Umwelt Jesu. Den Kindern erzählte ich die Geschichte von dem Gelähmten. Jesus war in ein Haus gekommen und predigte. Da war ein Mann, der war so gelähmt, dass er nicht mehr laufen konnte. Da packten ihn seine vier Freunde in ein Tuch und suchten Jesus. Denn sie hatten gehört, dass Jesus Kranke heilen kann. So weit so gut. Im Haus waren aber soviel Menschen, dass an ein Durchkommen zu Jesus gar nicht zu denken war. Was tun? – Die Freunde waren nicht dumm. Sie stiegen die Treppe zum Flachdach hinauf, deckten das Dach auf und ließen den Gelähmten direkt zu Füßen Jesu runter. Jesus heilte dann diesen Mann auch tatsächlich. Dann sahen wir uns mit dem Tageslichtprojektor so eine Zeichnung von einem israelitischen Haus an. Diese Häuser hatten meist nur einen Raum. Der war auch nicht mit Ziegeln gedeckt sondern war meist eine Mischung aus Holz und gestampften Lehm und das reichte auch, weil es in Israel wenig regnet. Zum Dach führte meist eine Treppe, weil auf dem Dach oft ein leichter Luftzug wehte und das war ganz angenehm bei dem heißen Klima. Im Haus gab es keinen Strom und kein Wasser und die Toilette sparten sich die Menschen auch.

So jetzt können wir wieder einen Schritt näher auf den Brunnen, die Frau und Jesus zugehen. Wenn ein Mensch Wasser brauchte, öffnete er nicht den Wasserhahn, sondern ging zum Brunnen. Das tut die Frau. Sie braucht Wasser, darum geht sie zum Brunnen. Gab es in der Stadt keinen Brunnen? – Ich weiß es nicht. Kurze Frage: Wie viel Uhr ist es? – Nein, nicht jetzt. Ich meine in unserer Geschichte. – „Es war um die sechste Stunde.“ – Wie viel Uhr ist das? – Damals gab es noch keine Uhren. Wir befinden uns etwa im Jahre 30 der christlichen Zeitrechnung. Die erste Erwähnung einer mechanischen Uhr findet um 1335 statt. Es handelt sich um eine Uhr in der Kapelle eines Palastes ins Mailand. Das, was es gab war die Sonnenuhr. So konnte die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang berechnet werden. Da, je näher wir zum Äquator kommen, die Sonne um 6.00 Uhr morgens aufgeht und auch um 18.00 Uhr abends untergeht, spielt unsere Begegnung etwa um 12.00 Uhr mittags ab. Die Sonne steht am höchsten Punkt und es ist die heißeste Zeit des Tages. Alle ruhen sich aus. So auch Jesus, der zu dieser Zeit seine Reise unterbricht, um eine kühlere Zeit abzuwarten. Aber warum ist diese Frau ausgerechnet um die heißeste Zeit des Tages unterwegs, wo alle anderen die Hitze fliehen? – Was kann der Grund sein? – Will sie vielleicht keinem Menschen begegnen? – Es gibt doch die Zeiten in unserem Leben. Da ist uns alles zuviel. Da wollen wir keinen Menschen sehen oder hören. Will diese Frau keinem Menschen begegnen? – Warum will sie keinem Menschen begegnen?

Diese Frage wird uns zunächst nicht beantwortet. Es entspinnt sich ein Gespräch. Worum geht es? – Klar. Es geht ums Wasser. Jesus fängt an. Er bittet um Wasser von der Frau. Damit bricht Jesus in doppelter Weise ein Tabu. Erstens darf im Orient ein Mann keine ihm unbekannte Frau ansprechen. Noch dazu in einer Situation, wo weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Und dann überspringt er den Graben der Religion. Ein Jude spricht zu einer Samariterin. Samariter? - Was glauben die Samariter? – Dazu müssen wir weit in die Geschichte zurückgehen. Ein großer König war der König Salomo. Er baute Gott einen Tempel in Jerusalem. Dafür wurde er von Gott gesegnet. Im Laufe seines Lebens veränderte der Reichtum den König Salomo. Er lebte in Saus und Braus. Er hatte viele Frauen, viele Häuser, viele Pferde und noch vieles mehr. Das alles kostete Geld. Um das Geld zu haben, erhöhte er einfach die Steuern. Seine viele Frauen kosteten ihn nicht nur Geld. Sie kosteten ihn auch seinen Glauben. Er hatte nämlich auch viele ausländische Frauen. Diese brachten ihre Götter mit. Salomo ließ sich auch dazu verleiten andere Götter anzubeten. Als Salomo gestorben war, wollten die Bürger weniger Steuern zahlen. Doch sein Sohn wollte sogar noch mehr Steuern aus dem Volk pressen. Da fielen zehn von zwölf Stämmen Israels von Salomos Sohn ab. Um die Einheit des neuen Staates zu gewähren, bauten sie zwei Heiligtümer. Samarien war die Hauptstadt des neuen Reiches. Viele Propheten des alten Testamentes weissagten gegen diesen Tempel so Hosea und Amos. Das Nordreich Israel wurde auch ein reiches Land. Und die Menschen vergaßen zu ihrem Gott noch Recht und Gerechtigkeit. Der Egoismus der Reichen beutete die Armen aus. Gott redete durch seine Propheten. Doch die Menschen wollten nicht hören. So ging das Nordreich dem prophezeihten Untergang entgegen. 722 vor Christus eroberten die assyrischen Heere Samarien und raiedrten das Nordreich Israel von der Landkarte aus. Die Assyrer verfolgten folgende Politik, um ihr Reich zu einen. Sie siedelten Teile der besiegten Völker um und siedelten andere Völker mit an. Im Gebiet des ehemaligen Nordreiches entstand eine Mischreligion, die einerseits sich auf die fünf Bücher Mose beriefen aber auch andere Traditionen pflegten. Deswegen wurden sie von den Juden verachtet. Jesus spricht aus der Sicht der Juden mit dieser ungläubigen oder falsch gläubigen Frau. Jesus sieht in dieser Frau diese Sehnsucht. Er sieht diese grenzenlose Sehnsucht und er sieht wie die Herzenstür dieser Frau schon so oft eingetreten worden war. Er sieht die erlöschende Sehnsucht. Er sieht, wie diese Frau nicht mehr glauben kann, dass ihre Sehnsucht je gestillt werden könnte.

Die Frau verwundert sich, dass Jesus sie anspricht. „Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau?“ - Aber Jesus nimmt gleich ihre Sehnsucht nach Leben auf: „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.“„Lebendiges Wasser?“ – Dieses Wasser ist wohl nicht in diesem Brunnen zu finden. Denn der Mann hat ja nichts dabei um Wasser zu schöpfen. „Lebendiges Wasser?“ – „Ist das das, was meine Sehnsucht stillen, was meinen Durst nach Leben löschen kann? – Diesen tiefen Durst, den weder Bier noch Wein zuschütten können?“ – Jesus erklärt der Frau, was er meint: „Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ – Gibt es das? – Gibt es ein Wasser, das den Durst meines Lebens stillt? – Gibt es das? – Gibt es das eine Quelle, die alle meine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach Anerkennung und Wertschätzung ausfüllt? – Jesus sagt: „Es gibt sie!“ – Er sagt noch mehr. Er sagt: „Ich bin diese lebendige Quelle. Wer mich hat, der hat das Leben. Wer mich hat, hat unverwechselbares köstliches Leben.“ – Das sagt Jesus. Und die Frau? – Was ist mit der Frau am Jakobsbrunnen? – Sie sagt: „Ich will!“ – Sie spürt die Sehnsucht, dass all das Brennen in ihr gelöscht werden könnte. Am Anfang war da die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach Anerkennung und Wertschätzung. Doch dann ist wurde ihr immer wieder die Tür des Herzens eingetreten und in und auf ihrer Seele herumgetrampelt. Am Ende war aus all der schönen Sehnsucht ein trostloser Trümmerhaufen geworden. Die zertrampelte Seele war so hart geworden, dass kein Wasser mehr in den Boden der Seele eindringen konnte. Nur noch ein endloses Dürsten und Brennen. Ja, sie will. „Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen.!“ – Ja, diese flehentliche Bitte. „Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen!“

 Unser Gespräch geht noch weiter, als ich gelesen haben. Anscheinend ganz unmotiviert sagt Jesus zu der Frau, dass sie heimgehen soll, um ihren Mann zu holen. Da bleibt die Frau traurig stehen. Warum? – Sie nennt den Grund, warum sie hier in der glühenden Hitze ihr Wasser holt, wo sie hofft keinen Menschen zu treffen. Sie sagt: „Ich habe keinen Mann.“ - Und Jesus sagt ihr auf den Kopf zu: „Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt.“ – Da bricht die Tragik im Leben dieser Frau auf. Sie hatte diese Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach Anerkennung und Wertschätzung. Aber sie ist nur von einem Bett in dem anderen gelandet. Sie wurde gebraucht und missbraucht. Am Ende ist ihre Sehnsucht wie eine Seifenblase zerplatzt und sie hatte es aufgegeben, die Erfüllung ihrer Sehnsucht zu erhoffen. Erst die Hoffnung, den Richtigen zu finden und dann die immer kleiner werdende Hoffnung, dass der nächst vielleicht doch der Richtige sein möchte. „Ich habe keinen Mann.“ – Das Gespräch geht noch weiter. Am Ende erhält die Frau, was sie sich gar nicht mehr zu hoffen erträumt hatte. Sie bekommt „lebendiges Wasser“. Sie bekommt Anschluss an eine Quelle, die ihren Lebensdurst löscht und ihre Sehnsucht stillt. Sie findet in Jesus Christus ihren Herrn und die Quelle lebendigen Wassers. Ein Gespräch mit Folgen. Eine Tochter Evas darf Heilung erfahren und bekommt neue Hoffnung geschenkt, wo sie kaum mehr zu hoffen wagte.

Und unsere Sehnsucht? - Was ist mit Ihrer und Eurer und meiner Sehnsucht? -  Bei Jesus kommt unser Sehnen zur Ruhe und findet Erfüllung. Es gibt viele Pfützen auf dieser Welt, die bunt schillern, weil sich in ihnen Öl und Dreck gesammelt haben. Aber es gibt nur eine Quelle des lebendigen Wassers. Nur wenn wir Anschluss finden an diese Quelle, kann in unserem Leben etwas heil werden und unser Lebensdurst gestillt werden. Darf ich Ihnen und Euch Mut machen: Lassen Sie sich doch von Jesus beschenken mit lebendigem Wasser. Begnügen Sie sich nicht mit dreckigen Pfützen und öligen Schlammlöchern. Begnügen Sie sich nicht mit löcherigen Zisternen und stinkenden Tümpeln. Machen Sie sich auf den Weg zu Jesus. Bei ihm gibt es lebendiges Wasser. Und Ihr? – Euch gebe ich denselben Rat. Bei Jesus gibt es „lebendiges Wasser“.  Das lohnt sich. Das lohnt sich echt. „lebendiges Wasser.“

 AMEN