Kirchengemeinde Ittersbach: Predigt über Jesaja 49


Predigt über Jesaja 49,1-6 am 08.10.2006 in Ittersbach

  

17. Sonntag nach Trinitatis

Lesung: Mt 15,21-28

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Amen

 

Von wem wird geredet? – Um was geht es? – Von wem wird geredet? – Um was geht es? – Diese Frage bewegt die Ausleger durch viele Jahrhunderte hindurch. Von wem redet hier der Prophet Jesaja? – Um was geht es hier dem Propheten Jesaja?

Ich lese aus dem 49. Kapitel des Propheten Jesaja:

 

Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel,  durch den ich mich verherrlichen will. Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel u ihm gesammelt werde – darum bin ich vor dem HERRN wertgeachtet und mein Gott ist meine Stärke -, er spricht: Es ist zu wenig, das du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.

 

Jes 49,1-6

 

Herr, unser guter Gott, wir bitten dich: Stärke uns den Glauben! AMEN

 

 

 

Heute kommt Ihr zuerst!

 

Liebe Konfirmanden! Liebe Eltern!

Liebe Gäste und Freunde! Liebe Gemeinde!

 

Von wem wird da gesprochen? – Um was geht es? – Das könnt Ihr Konfirmanden Euch auch fragen. Ein Paar Konfirmandenstunden haben wir schon gehabt. Von wem wird da gesprochen? – Um was geht es da? – Habt Ihr das schon mitgekriegt?

Vielleicht geht es Euch zunächst ähnlich wie bei den Worten aus dem Propheten Jesaja. Von wem wird da gesprochen? – Um was geht es da? – Wie beginnt es? – „Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf!“ – Aha, da will einer, dass ihm zugehört wird. Er hat etwas zu sagen. Und das, was er zu sagen hat, sollen alle hören. Nah und fern und vor allem fern soll zuhören. Wie geht es weiter? – „Der HERR hat mich berufen von Mutterleib an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war.“ – Das kommt später noch Mal: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat.“ – Da ist schon etwas geschehen im Leib der Mutter. Das ungeborene Kind ist schon von Gott zu einem besonderen Werk gerufen.

Nicht nur zu einem besonderen Werk gerufen sondern auch mit besonderen Gaben ausgerüstet. So heißt es bei Jesaja: „Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt.“ – Schwert und Pfeil. Das sind Waffen. Mit Waffen wird gekämpft. Wofür soll dieser Mensch kämpfen? – Warum soll dieser Mensch kämpfen? – Aber halt! – Da gibt es noch eine besondere Erfahrung dieser Person. Diese Erfahrung heißt ‚Vergeblichkeit’. „Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.“ – Wofür soll diese Person kämpfen und warum soll diese Person kämpfen? – „Und er (Gott, der HERR) sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.“ – Und: „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde.“ – Sammeln und zurückbringen? – Jakob und Israel sammeln und zurückbringen? – Ist das nötig? – Ja, das ist nötig. Das ganze Jesajabuch dreht sich darum. Ein katastrophales Ende steht den Menschen vor Augen. Die Menschen sehen den Untergang Jerusalems und des Tempels vor sich. Das Volk Israel hat ein katastrophales Ende genommen. Schutt und Asche, Blut und Tränen standen am Ende und das Ende war noch nicht da. Es kam kein Ende mit Schrecken sondern ein Schrecken ohne Ende. Nicht nur die militärische Niederlage nach Monaten der Belagerung stand am Ende. Nein, der ganze Staat wurde ausgelöscht von der Landkarte und nicht nur der Staat wurde ausgelöscht. Die überlebende Bevölkerung wurde in die Verbannung verschleppt. Vielleicht kennen Sie und Ihr den alten Spiritual. Es sind auch Worte aus dem 137. Psalm: „An den Wassern von Babylon saßen wir und weinten, wenn wir Zions gedachten.“

Was war das Schlimmste bei dieser nationalen Katastrophe? – Das Schlimmste war der Verlust des Tempels. – Der Tempel war das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. In einer schrecklichen Vision sieht der Prophet Hesekiel, wie Gott in seiner Herrlichkeit Jerusalem den Rücken zukehrt und den Tempel mit all seinem Gefolge verlässt (Hes 11,22-25). Von dem lebendigen Gott verlassen. Was ist die Folge davon? – Wo Gott sein Volk verlassen hat, muss sein Volk untergehen. Warum? – Warum diese Katastrophe? – Warum aber das schlimmere? – Warum verlässt Gott sein Volk? – An den Wassern von Babylon saß das Volk. Sie weinten. Die Erkenntnis machte ihr Herz schwer und füllte die Augen mit Tränen: „Wir sind schuld. Wir sind selbst schuld. Gott, dieser große und wunderbare Gott hat zu uns geredet. Er hat nicht nur mit uns geredet. Seine Liebe und Güte durften wir Tag um Tag, Jahr um Jahr schauen. Wir aber haben nicht auf seine Worte gehört. Wir sind eigene Wege gegangen. Wir haben Gott nicht als den lebendigen Gott geehrt und das Recht der Mitmenschen mit Füßen getreten. Hochmütig und überheblich haben wir uns nur selbst gesehen und sind an Gott und seinen Geschöpfen achtlos vorbeigegangen.“

An den Wassern von Babylon saß der kleine Rest des Volkes und gedachte in seinem Unglück seines Gottes. Schon vorher oder in ihre Zeit hinein sprach Gott neue Worte. Es waren nicht die Worte des Schmerzes Gottes über den Ungehorsam seines Volkes. Er waren nicht die Worte des Gerichtes über ein schwerhöriges und taubes Volk. Es waren Worte der voller Hoffnung, die einen Neuanfang und Gottes bleibende Treue versprachen. – „Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde.“ – Gott spricht zu seinem Volk. Und es ist nicht mehr taub, sondern nimmt seine Worte auf wie trockenes Land den Regen ersehnt und aufnimmt. Aber es leuchtet noch etwas anderes auf. – „Er (Gott) spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.“ – Nicht nur Israel, nicht nur die Juden, alle Welt soll von Gottes Heil erfasst werden, soll mit hinein genommen werden in das Heilswerk Gottes. So sagt es Gott: „Ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde.“ -

Wen meint Gott? – Von wem spricht Gott? – Um wen geht es da? – Die Antwort auf diese Frage hängt vom Blickwinkel ab. Das jüdische Volk beantwortet diese Frage mit zwei Antworten. Das jüdische Volk selbst ist der Knecht Gottes. Israel hat die Vergeblichkeit eines Lebens vorbei an Gottes Geboten erfahren. Sie sind durch Schuld und Versagen zu ihrem Gott zurückgekehrt und haben nun den Auftrag ein Licht für die Heiden zu sein. Aber die jüdischen Gelehrten meinen auch, dass Gott an dieser Stelle wohl nur vom dem Messias, dem Gesalbten, dem kommenden Retter der Welt gesprochen haben kann. Denn diesem Knecht wird ein besonderer Auftrag mitgeteilt.

Gibt es noch einen anderen Blickwinkel? – Wir Christen lesen auch den Propheten Jesaja. Wir lesen den Propheten von Jesus Christus her. In Jesus Christus erfüllen sich viele der Aussagen des Propheten Jesaja. Jesus ist der Knecht Gottes, der Israel sammelt und zu Gott zurückführen will. Jesus ist in den Augen Gottes wertgeachtet und Gott ist seine Stärke. Jesus sagt auch von sich, dass er das Licht der Welt und das Heil für alle Menschen sei.

„Es geht um Jesus!“, sagen wir Christen. Es geht um Jesus Christus. Und da sind wir auch bei der Frage angelangt, die Euch angeht. Um was geht es im Konfirmandenunterricht? – Von wem wird im Konfirmandenunterricht gesprochen. In erster und allererster Linie geht es da um Jesus Christus. Er ist das Licht der Welt und das Heil für alle Menschen. Er will auch das Licht im Leben eines jeden von Euch sein und Euer Leben heil machen und zur Entfaltung bringen.

Braucht Ihr das? – Braucht Ihr das jetzt, dass Ihr Euer Leben diesem Jesus Christus anvertraut? – Reicht das nicht auch später? – Wir haben gerade ein Beispiel gehört. Das Volk Israel hat sein Leben an Gott vorbei gelebt. Es hat sich von Gott nichts sagen lassen. Was war das Ergebnis? – Das Volk Israel ist stockvoll in die Katastrophe hineingelaufen. In Schutt und Asche mit Blut und Tränen getränkt ist das ganze Lebenshaus zusammengebrochen. In jüngeren Jahren habe ich mich des Öfteren gefragt: „Kann ich das so einfach sagen? – Kann ich das so einfach sagen, dass es ohne diesen Jesus Christus mit großer Wahrscheinlichkeit bös enden wird? – Gibt es nicht genug Menschen, die ihr Leben ohne Gott leben und es ihnen trotzdem gut geht?“ – Das habe ich mich in jungen Jahren oft gefragt. Mittlerweile bin ich älter geworden. Ich habe mir viele Lebensgeschichten angehört und habe viele Menschen beobachtet. Es gibt so viel Leid im Leben der Menschen. Es gibt so viele zerbrochene Herzen und Existenzen. Es gibt so viele menschliche Ruinen und bittere Tränen. Es gibt so viele Menschen, die ihr Leben so ziemlich an die Wand gefahren haben. Manche machen es nicht nur übertragen sondern auch tatsächlich. Gestern war wieder davon in der Zeitung zu lesen, dass ein Auto in einem Baum landete und die Insassen tot waren. Das Leben an die Wand gefahren. Das muss nicht sein. In Schutt und Asche, in Blut und Tränen kann Gott durch seinen Christus einen neuen Anfang schenken. Es darf etwas heil werden, weil Jesus der Heiland der Welt ist. Gott ist so gut, dass er keinem Menschen den Himmel verschließt, der hinein will. Das kann auch in der letzten Minute des Lebens sein. Neben Jesus wurde ein Verbrecher gekreuzigt, der in den Himmel wollte. Er sah sein verpfuschtes Leben, das er nun bald unter Schmerzen aushauchen würde. Er sah Jesus und richtete die Bitte an ihn: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ (Lk 23,42). Jesus versprach ihm: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43).

Aber es muss doch nicht erst am Ende des Lebens sein, wenn der Karren in den Sand gefahren ist. Als ich etwa 14 Jahre alt war, habe ich diese Entscheidung für mich getroffen. Ich habe Gott gesagt: „Mein Leben soll dir gehören.“ – Das war die wichtigste und beste Entscheidung meines Lebens. Vieles hat sich in meinem Leben geändert. Vieles hat sich in meinem Leben gewandelt. Doch dieser schöne Grundton meines Lebens ist geblieben: „Ich gehöre zu Gott und Gott gehört zu mir.“

Manchmal fragen mich Eltern und Großeltern von Konfirmanden oder auch andere Erwachsene: „Können denn diese Konfirmanden schon solch eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite treffen? – Geht das nicht über ihren Verstand?“ – Diese Frage kann ich klar mit ‚Jein’ beantworten. Es ist klar, dass ein junger Mensch in Eurem Alter noch nicht sein ganzes Leben überschauen kann. Aber es gibt auch gute Entscheidungen in jungen Jahren, die das ganze Leben positiv beeinflussen. Eine solche Entscheidung kann sein, sein Leben diesem Jesus Christus anzuvertrauen.

Ich erinnere mich noch an Christian. Er hatte in jungen Jahren seinen Vater durch einen Autounfall verloren. Seine Mutter hatte einen Lebensgefährten und eine Tochter von ihm. Bei der Taufe seiner Schwester Miriam lernte ich Christian kennen. 12 Jahre war er alt. Er hatte keine Freunde und war auch nicht besonders attraktiv. Den wollte keiner so gern als Freund haben. Dann wurde er Konfirmand. Bei der Konfirmandenfreizeit in der Schweiz kam er zu mir auf das Zimmer. Er hätte es sich überlegt. Er wolle so ganze Sache mit Jesus Christus machen. Wir beteten miteinander. Er kam manchmal in den Jugendkreis. Unser Jugendkreis war damals ein kleines Häuflein. Er war kurz vorher auseinander gebrochen, weil sich zwei Cliquen gebildet hatten, die sich miteinander gestritten hatten. Dann führten wir Jesushouse 2000 in Steinen durch. Das gab ihm einen Schub. Nun kam er regelmäßig und wuchs in die Mitarbeit hinein. Christian kann reden, dass einem die Ohren wackeln. Seine Begeisterung für Gott und die Welt kann manchmal ätzende Züge annehmen. Er hat mir manchmal das Trommelfell verbeult. Aber er hat auch eine besondere Art mit Jugendlichen umzugehen. Er wurde der Leiter unseres Jugendkreises. Beruflich arbeitet er auf dem Gericht. Nun hat er eine nette Freundin. Wegen seiner Freundin hat er sich zu einer anderen Gemeinde hin orientiert und die Leiterschaft im Jugendkreis aufgegeben. Er hat als Konfirmand ja zu Jesus Christus gesagt.

Ich denke an Katrin. Sie kam mit ein paar Freundinnen auf mein Zimmer. Wir waren im Januar auf der Konfirmandenfreizeit in Schwarzwald in einem alten Bauernhaus der katholischen Gemeinde. Bei den Spielen und anderen Dingen bebten die alten Balken. Katrin war sich nicht sicher, was sie machen sollte. Ich fragte dieses und jenes. Sie blieb unschlüssig. Dann schlug ich ihr vor, es einfach einmal mit Jesus zu versuchen. Sie übergab später nach der Freizeit ihr Leben allein zu hause diesem Jesus Christus. Sie machte ihre ersten Schritte im Glauben. Auch sie übernahm mehr und mehr Verantwortung im Jugendkreis. Heute leitet sie mit drei anderen unseren Jugendkreis in Steinen-Höllstein, nachdem Christian aufgehört hat. Nächstes Jahr schließt Katrin ihre Schule ab und will studieren. Das sind zwei Beispiele von jungen Menschen, die es gewagt haben, ihr Leben diesem Jesus Christus anzuvertrauen. Und sie sind bis heute dabei geblieben.

Um wen geht es im Konfirmandenunterricht? – Es geht um diesen Jesus Christus. Ihr sollt die Chance haben, diesen Jesus Christus kennen zu lernen. Das lohnt sich. Das kann Euch davor bewahren, Euer Leben voll in den Sand oder an die Mauer zu setzen. Und es kann Euch helfen, Euren Lebenswagen wieder flott zu kriegen, wenn etwas schief gegangen ist. Darum geht es im Konfirmandenunterricht, diesen Jesus Christus kennen zu lernen.

 

AMEN